Phantom Mode

Was ist der Phantom Modus bei VDSL-Anschlüssen?


Der ursprüngliche VDSL-Standard (eigentlich VDSL2), wurde über die Jahre immer weiter optimiert. Waren anfangs im Jahr 2006 so zunächst nur Tarife mit ca. 50 MBit möglich, konnte die Datenrate heute auf 250 MBit erhöht werden. Natürlich ohne, dass an den Leitungen selbst etwas geändert werden musste. Die technischen Änderungen betreffen lediglich die DSLAM-Verteiler und alle Nutzerendgeräte (Router).

VDSL lässt sich auf 4 Weisen beschleunigen

Insgesamt 4 verschiedene Ansätze die Übertragungsrate von VDSL-Anschlüssen (FTTC) zu erhöhen. Zunächst die Verbreiterung des genutzten Frequenzbandes, welches allerdings stets mit sinkenden Reichweitern einher geht und daher nicht unbegrenzt erweitert werden kann. Aktuell werden bis zu 35 MHz (35b) genutzt, im Vergleich z.B. zum VDSL Profil 17a mit nur 17 MHz.

Das wohl wichtigste und populärste Verfahren ist das sogenannte Vectoring. Die Technik wird mittlerweile fast bundesweit eingesetzt und kann die Datenrate von 50 auf zunächst 100 MBit verdoppeln. Über das nochmals bessere Supervectoring sind sogar 250 MBit möglich (technisch sogar 300 MBit). Beim Vectoring werden, vereinfacht ausgedrückt, Leitungsstörungen herausgefiltert. Diese entstehen, wenn mehrere Kupferkabel eng nebeneinander liegen, wie es bei Telefonkabel der Fall ist. Durch elektromagnetische Beeinflussung (Übersprechen), wird die Signalqualität mit zunehmender Länge des Kabels immer stärker gestört. Vectoring versucht nun, diese Störungen aufwendig wieder herauszurechnen. Neben der Datenrate steigt aber auch gleichzeitig die mögliche Flächenabdeckung um 300% bei VDSL50 [1].

Das Bündeln von mehreren Leitungen zu einem Anschluss über das sogenannte Bonding stellt den dritten Ansatz dar. Hier wird die Übertragung auf mehrere Kupferdoppeladern verteilt, wodurch sich die Kapazität vervielfacht werden kann. Zum Beispiel mit x2 oder x4 Bonding. Es setzt übrigens den Einsatz von Vectoring voraus. Für Privatkunden wird Bonding aber hierzulande praktisch nicht eingesetzt, da dies zu teuer und aufwendig wäre.

Last but not least kommen wir zum Phantoming (ITU-T G.993.5). Während beim Bonding versucht wird, dass Signal auf mehrere Doppeladern zu verteilen und so linear skaliert, geht man beim Phantoming einen anderen Weg. Hierbei werden zusätzlich virtuelle Übertragungskanäle implementiert - sozusagen zwischen den Doppeladerpaaren „aufgespannt“. Dafür schaltet man ein weiteres Signal auf beide Kabelpaare, über dessen Differenz sich gleichsam Informationen übertragen lassen. Mathematisch gesehen sind mit n Doppeladern n-1 zusätzliche Phantoming-Kanäle möglich. Wie sich leicht erkennen lässt, ist Bonding für Phantoming eine Grundvoraussetzung. Ebenso bildet Vectoring eine nahezu unverzichtbare Grundvoraussetzung. Natürlich müssen sowohl die DSLAMs mit entsprechenden Platinen aufgerüstet werden, als auch die Endgeräte beim Kunden den Phantom-Modus unterstützen. Huawei schätzt den realisierbaren Bandbreitengewinn bei 2-3 zusätzlichen, virtuellen Kanälen auf bis zu 910 MBit, wobei 700 MBit in der Praxis realistisch sein.

Schnelleres VDSL für alle dank Phantom-Modus?

Für Privatkunden spielt die Technik leider keine Rolle und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Denn da bereits das nötige Bonding im Privatkundensegment keinen Einzug fand, wäre dies schon technisch nicht möglich. Es gibt also in Deutschland keinen VDSL-Anbieter, der über Phantoming seine Anschlüsse beschleunigt. Ob dies bei Geschäftskundentarifen auch so ist, dafür liegen uns leider keine Informationen vor. Aufgrund des hohen Aufwands, gehen wir aber davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr sind alternative Techniken wohl eher zielführend.

Alternativen für schnelleres Internet

Auch wenn es hierzulande weder Tarife mit Bonding- noch Phantoming gibt. Über „normales“ VDSL mit Vectoring können immerhin schon 250 MBit genutzt werden – hier eine Übersicht der Tarife und Anbieter. Wem das nicht reicht, solle sich die Kabelanbieter näher ansehen. Vodafone z.B. bietet übers Kabelnetz z.B. auch Zugänge mit 500 oder 1000 MBit. Gleiches gilt für die Glasfaser-Anbieter. Aber auch die Hybrid-Technik der Telekom kann durch Kombination mit LTE die Datenrate von VDSL auf über 500 MBit schrauben.

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Quellen:

[1] https://www.wik.org/uploads/media/WIK_Diskussionsbeitrag_Nr_374.pdf



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