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Okt 23 2015


Der Branchenverband VATM hat auch in diesem Jahr wieder seine Studie zum Telekommunikationsmarkt in Deutschland vorgelegt. Im Festnetz steigen sowohl die Zahl der Breitbandanschlüsse als auch die Geschwindigkeiten und das Datenvolumen. Beim Glasfaserausbau stellt sich der VATM gegen die Vectoringpläne der Telekom.

Kabelnetzbetreiber mit Umsatzplus

Im Jahr 2015 werden in Deutschland laut Studie fast 58 Milliarden Euro mit Telekommunikationsdiensten umgesetzt. Der Festnetzbereich setzt davon gut 33 Milliarden um, rund 400 Millionen Euro weniger als 2014. Zum Minus tragen die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerber zu etwa gleichen Teilen bei, während die Kabelnetzbetreiber um etwa 500 Millionen Euro zulegen können und nun knapp 17 Prozent des gesamten Festnetzmarktes in ihrer Hand haben.

Telekom hinkt bei VoIP hinterher

Die Zahl der herkömmlichen stationären Telefonanschlüsse bleibt auch 2015 bei etwa 37 Millionen; die Telekom hält davon als Marktführer 55 Prozent. Den Rest teilen sich die alternativen Anbieter und die Kabelnetzfirmen im Verhältnis 2:1. Während die Telekom jedoch erst ein Drittel ihrer Anschlüsse auf das kostengünstigere Voice-over-IP (VoIP) umgestellt hat, sind es bei den Wettbewerbern bereits 70 Prozent. „Um bis 2018 ihre Kunden auf VoIP zu migrieren, muss die Telekom noch 13,1 Millionen Anschlüsse umstellen – das entspricht statistisch ab morgen knapp acht Anschlüssen pro Minute“, sagt Torsten Gerpott von Dialog Consult, Autor der Studie. „Die Wettbewerber sind da deutlich weiter und erlauben ihren ISDN-Geschäftskunden zum Teil längere Migrationszeiten.“

Über den VATM und die Studie

Diese kleine Spitze gegen die Telekom muss man vor dem Hintergrund sehen, dass die „17. TK-Marktanalyse Deutschland 2015“ (hier als PDF zum Download) von der Beratungsgesellschaft Dialog Consult zusammen mit dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) erstellt wurde. Sie beruht auf einer Befragung der über 100 VATM-Mitglieder aus dem dritten Quartal diesen Jahres. Dem VATM gehören Branchengrößen wie Vodafone, Telefonica, 1&1, Ericsson, Freenet, Mobilcom-Debitel, Drillisch sowie etliche mittlere und kleinere Unternehmen an – einer der wichtigsten Player hierzulande, die Telekom, ist im Verband allerdings nicht vertreten.

VATM gegen Telekom-Vectoringpläne

So kann man ebenfalls nachvollziehen, dass der VATM auch beim Thema Glasfaserausbau schlecht auf die Telekom zu sprechen ist. An Glasfasernetze, die bis zum Haus oder bis in die Wohnung ausgebaut sind (FTTB/FTTH), werden Ende des Jahres laut Prognose etwa 2,1 Millionen Haushalte angeschlossen sein. Nur jeder Vierte nutzt diesen High-Speed-Anschluss allerdings erst. Beim Glasfaserausbau fühlen sich die im VATM zusammengeschlossenen Wettbewerber jedoch von der Telekom und ihren Vectoring-Plänen ausgebremst. „Die Deutsche Telekom hat nach wie vor eine dominante Stellung und die Wettbewerber sind auf Vorprodukte, vor allem aber auch Vorleistungspreise der Telekom angewiesen“, sagt VATM-Präsident Martin Witt. „Wettbewerb hängt weiter von effizienter Regulierung ab. Schaffen wir, wie von der Telekom aktuell bei Vectoring für den Nahbereich der Hauptverteiler gefordert, ein Technologiemonopol, gefährden wir völlig unnötig die Errungenschaften der Liberalisierung und des Wettbewerbs. Wir verlieren auf Jahre hinaus den Glasfaserausbau bis ins Haus bzw. zum Endkunden.“

„FTTB/FTTH vor FTTC“

„Die alternativen Anbieter investieren jedes Jahr mehr und versorgen insbesondere den ländlichen Bereich“, so Witt weiter. „Mehr als drei Viertel der zukunftsorientierten FTTB/FTTH-Anschlüsse werden von den Wettbewerbern gebaut.“ Die Wettbewerber bauten selbst aus, trieben die Telekom dazu auszubauen und finanzierten über Vorleistungsentgelte den Ausbau mit, rechnet der VATM-Chef vor. „Wir schaffen den Ausbau auch im Nahbereich – wie in der Netzallianz vereinbart – ganz ohne neues Monopol, mit den üblichen Mitteln der Ausschreibung und weniger Förderung, als wenn die Telekom ein Vectoring-Monopol erhält.“ Beim Ausbau sollten die Kommunen zudem die Freiheit bekommen, sich „für einen nachhaltigeren Glasfaserausbau zu entscheiden, auch wenn er dadurch länger als bis 2018 dauert“, so Witt. „Wir müssen bereits heute mehr als bisher damit beginnen, in Gigabit-Netze zu investieren, um in den nächsten zehn Jahren den Umbau zur Gigabit-Gesellschaft zu schaffen. Es gilt ganz klar das Prinzip FTTB/FTTH vor FTTC.“

Breitbandanschlüsse erstmals über 30 Millionen

Inklusive Glasfaser, wird die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse 2015 laut Studie um mehr als eine Million steigen und erstmals die 30-Millionen-Marke knacken. Von den 30,7 Millionen Breitbandanschlüssen hält die Telekom via DSL über 40 Prozent sowie über Resale-Verträge weitere 10 Prozent. Ein Viertel des Kuchens sichern sich die DSL-Wettbewerber, 20 Prozent verbuchen bereits die Kabelnetzbetreiber. Genauer aufgeschlüsselt, ergibt sich folgende Verteilung der Breitbandanschlüsse: Telekom 12,7 Mio., Vodafone mit Kabel Deutschland 5,4 Mio., 1&1 mit Versatel 4,3 Mio., Unitymedia mit KabelBW 3 Mio., Telefonica mit O2 2,1 Mio.

Datenvolumen und Geschwindigkeit legen zu

Auch die Geschwindigkeit der Anschlüsse steigt. DSL- und Glasfaseranschlüsse mit Downloadgeschwindigkeiten zwischen 6 und 16 Mbit/s machen inzwischen gut 42 Prozent aller Breitbandanschlüsse aus. Ein Viertel der Kunden kann mit bis zu 50 Mbit/s im Netz surfen, während knapp 3 Prozent über noch schnellere Anschlüsse verfügen. Das gesamte, durch Breitband-Internet verursachte Datenvolumen im Festnetz wird 2015 laut Studie um ein Viertel auf 11,5 Milliarden Gigabyte steigen. Pro Anschluss und Monat werden etwa 32 Gigabyte erzeugt, das sind 20 Prozent mehr als 2014. Zum Vergleich: Im Mobilfunknetz sind es „nur“ 380 MB pro Monat und SIM.

Weiterführendes

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Quelle: VATM


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Autor: Sebastian Schöne

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