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Feb 09 2010


Die Korken in der Bonner Zentrale haben geknallt, als der Bundesgerichtsentscheid verkündet wurde: Die Deutsche Telekom muss ihren Mitbewerbern entgegen einer vorherigen Auflage nun doch keine Mitbenutzung ihre VDSL-Kapazitäten zusichern, sondern nur den Zugang zum Kabelkanal (VDSL-Tarifvergleich.de berichtete)!

High-Speed Internet für alle – oder um was geht es eigentlich?

Im Sommer 2007 hat die Regulierungsbehörde die Deutsche Telekom in die Pflicht genommen: Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung sollte sie auch anderen Anbietern die Mitnutzung ihrer modernen VDSL High-Speedinternet-Infrastruktur gewähren. Ungenutzte Glasfaserkabel-Kapazitäten sollten an Wettbewerber abgetreten werden. Die Konkurrenten freuten sich bereits darüber, dass sie nun auf dem Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom aufsetzen können. Genau, wie das bei DSL auch viele Jahre der Fall war. Dort lässt sich ein solcher Zugang über die deutschlandweit rund 8000 Hauptverteiler einreichten. Bei VDSL hingegen muss die Verteilung des Signals direkt an den Kabelverzweigern vorgenommen werden. Diese liegen geografisch viel näher beim Endkunden – sozusagen vor der Haustüre. Und aus den 8000 zu managenden Verteilelementen werden dadurch plötzlich über 300.000!

Die Deutsche Telekom muss ihr VDSL-Netz nicht teilen

Die Telekom hatte beim Verwaltungsgericht Köln geklagt, dass die im Sommer 2007 von der Bundesnetzagentur beschlossene Öffnung der Kabelverzweiger für Wettbewerber zu weit gehe. Das Gericht wies die Klage anfangs 2008 weitestgehend ab. Doch der rosa Riese legte daraufhin beim Bundesverwaltungsgericht Revision (BVerwG 6 C 22.08) ein.

 

Die Berufung führte zum Erfolg, wie das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied. Entgegen der verfügten Regulierung des Marktes für Teilnehmeranschlüsse, wird der Bonner Konzern nun nicht dazu verpflichtet, den Mitbewerbern einen Zugang zu den VDSL-Glasfaserleitungen zu gewähren. Die Deutsche Telekom besitze die vollen Eigentumsrechte an dem neuen Glasfaserkabel-Netz. Im Vergleich dazu steht die reguläre DSL-Infrastruktur, welche noch unter der Monopolstellung des Konzerns errichtet worden sei. Hier sei eine Mitnutzung durch die Mitbewerber rechtens.

VDSL High-Speed-Internet setzt hohe Investitionen voraus

In den letzten 10 Jahren wurden bereits zehn Milliarden Euro in eine moderne Breitbandinfrastruktur investiert. Damit haben nun 96 Prozent aller die Deutschen die Möglichkeit, im Festnetz Übertragungsraten von mindestens 384 kbit/s (DSL-Light) zu erreichen. 50 Städte sind darüber hinaus mit der neuen VDSL-Technologie ausgestattet worden. Seit dem Frühjahr 2006, baut die Deutsche Telekom nämlich ein VDSL2-Netz auf, um Kunden Übertragungsraten jenseits der normalen DSL 16.000 Leitungen bieten zu können: 50 Mbit oder sogar 100 Mbit in der Sekunde sind hier angesagt. Und dabei sprechen wir von Down- wie auch Upstream!

 

 

Doch um ganz Deutschland flächendeckend mit einer solchen Glasfaserinfrastruktur auszurüsten, sind nach Schätzungen von Experten zwischen 30 und 50 Milliarden Euro notwendig. Weder die Telekom noch die Wettbewerber wollten mit der großen Kelle anrühren, wenn die Rahmenbedingungen nicht klar waren. Diesbezüglich ist man nun aber ein Schritt weiter.

 

Die Bundesregierung hat die Bundesnetzagentur beauftragt, Grundsätze für eine „wachstums- und innovationsorientierte Regulierung“ fest zu legen. Diese werden entscheidend beeinflussen, ob es Investitionsanreize für den weiteren Breitbandausbau gibt.

Telekom-Mitbewerber bald mit eigener VDSL-Infrastruktur

Mitbewerbern macht der Entscheid also einen dicken Strich durch die Rechnung, da sie nur sehr eingeschränkt auf die bereitstehende Infrastruktur der Deutschen Telekom zurückgreifen können. Sie dürfen zwar die Kabelkanäle der Telekom nutzen, nicht aber die Kapazitäten der Glasfasern.

 

Aus Sicht der Behörden sei die Errichtung eines eigenen Netzes allerdings nicht so aufwändig wie vielleicht gedacht, hieß es. Man könne auch weiterhin auf die bestehenden, alten Anlagen der Telekom aufbauen und müsse lediglich das stadtinterne Glasfasernetz und die dazugehörigen Kabelverzweiger neu einrichten – um näher am Verbraucher zu sei und großen Verlusten auf der „Zielgeraden“ entgegen zu wirken. Des Weiteren werden andere DSL-Anbieter immer weiter von der Telekomeigenen Infrastruktur abgekapselt werden, was dem DSL-Segment einen schärferen Wettbewerb verspricht.

 

Vodafone hat bereits angekündigt, das eigene Netz 2010 zu erweitern. So sollen bis im Spätsommer rund 4 Millionen Haushalte erschlossen werden. Endlich kommt Bewegung in den VDSL-Markt!

 

Bildquelle: Telekom Presse

 



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Autor: Sebastian Schöne

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