Drosselung bei VDSL

Alles zu den Plänen der Telekom und Hintergründe


Drosselkom

Ende April 2013 schockierte die Deutsche Telekom mit einer Meldung die, selbst rückblickend auf 20 Jahre Netzkultur, in ihrer Auswirkungen und der Tragweite ihresgleichen sucht. Gemeint ist die Vorankündigung, in naher Zukunft nicht nur Mobilfunktarife im Nutzungsgebrauch zu limitieren, nein auch DSL-, VDSL- und Glasfasernutzer sollen bald an die „Datenleine“ genommen werden. Das magische Stichwort heißt „Drosselung“. In diesem Info-Ratgeber wollen wir zeigen, was es genau damit auf sich hat, wen dies betrifft und wie man sich gegebenenfalls wehren kann. Zudem beleuchten wir die Hintergründe, sowie mögliche Konsequenzen etwas näher und zeigen alternative VDSL-Anbieter auf, bei denen es (bisher) keine vertragliche Beschneidung des Flatrate-Modelles gibt.


Was ist die „Drosselung“ eigentlich?

Bei der Drosslung handelt es sich um eine providerseitige, zeitlich beschränkte Limitierung der maximalen Datenübertragungsrate. In der Regel auf ein sehr geringes Mindestmaß, wie z.B. 384 KBit/s. Aktiviert wird diese immer dann, falls nutzerseitig innerhalb eines Monats ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wird. Diese gilt folgend bis zum neuen Kalender- oder Rechnungsmonat und soll prinzipiell einer „übermäßigen Beanspruchung“ vorbeugen. Wer bisher eine Internetflatrate auf Basis von ADSL oder VDSL bestellte ging in der Regel davon aus, dass die Nutzung unbeschränkt gilt. Man bezahlt also zum Surfen (ggf. mit Telefonflatrate) einen monatlichen Pauschalbetrag X und muss sich keine Gedanken über irgendwelche Beschränkungen machen. Egal ob man pro Monat nun 10 Gigabyte (GB) benötigt oder 400 GB.

Update: Das enorm negative Medienecho hat die Telekom im Juni 2013 dazu bewegt, nun doch eine Drosselung auf "nur" 2 MBit zu erwägen, statt auf 384 KBit.

Update Dez. 2013: Die Deutsche Telekom entfernt vorerst die Drosselungsklauseln aus den AGB - auch für Bestandskunden. Gegebenenfalls sollen Tarife ohne Drossel künftig teurer werden.

Mobilfunknutzer, insbesondere Verbraucher die LTE als DSL-Ersatz nutzen, müssen übrigens seit jeher mit der Drosslungspraxis leben. Nun aber könnte es bald auch den „gemeinen DSL-Kunden“ betreffen. Seit Jahren waren festnetzgebundene Breitbandzugänge weitestgehend vom Thema Drosselung verschont, denn volumenbasierte Tarife sind schon seit gut 15 Jahren aus der Mode. „Flatrate“ ist seither das Schlagwort im Tarifgeflecht der Provider. Die Deutsche Telekom versuchte nun erstmals an diesem (faktisch heiligen) Status quo zu rütteln. Der Anfang vom Ende „echter“ Internetflatrates? Lesen Sie weiter!


Wer ist betroffen und wann?

Nach den ursprünglichen Plänen, waren vorrangig Kunden der Deutschen Telekom betroffen. Und dann lediglich diejenigen, die nach dem 02.05.2013 einen Vertrag auf Basis der neuen AGBs geschlossen haben. 2018 sollten, durch ein Hintertürchen, auch Bestandskunden mit Altverträgen mit „ins Boot“ geholt werden. Durch eine Klage der Kölner Verbraucherzentrale, hat sich das Bild im Dezember 2013 nun aber wieder vollkommen verändert. Die Telekom hat das Urteil akzeptiert und nahm noch im gleichen Monat sämtliche Drosselungs-Klauseln aus den AGB. Die Kunden selbst müssen nicht aktiv werden, die Regelung gilt automatisch, zudem erfolgte eine postalische Benachrichtigung. Vorerst sind die Pläne also revidiert - es wird erstmal keine Drosselung für DSL- oder VDSL-Kunden geben. Dennoch gibt es Anbieter mit ähnlichen Avancen, mehr dazu hier.

Preiserhöhung voraus?

Wie so oft im Leben, gibt es ein "aber". In einem Blogpost kündigte der Konzern damals an, man wolle in Zukunft die Tarif-Politik gänzlich überdenken und mehr Transparenz schaffen. Übersetzt heißt das, es soll künftig DSL- und VDSL-Tarife mit explizit genanntem Volumendeckel geben. Beispielsweise wäre ein Tarif a lá "MagentaZuhause mit 100 GB" denkbar, wie es auch 1und1 anbietet. Wer eine richtige, unbegrenzte Flatrate möchte, muss dann in Zukunft ggf. mehr zahlen. O2 Telefónica ist dem Beispiel schon vor Jahren gefolgt, allerdings mit einer äußerst milden Form, dazu mehr im Abschnitt "Drosselung bei anderen Anbietern". Aktuell (2018) jedenfalls, wurden die Pläne der Telekom glücklicher Weise noch nicht umgesetzt. Ob das bis in alle Zukunft so bleibt, erscheint aber fraglich, denn der Datenhunger der Haushalte steigt und steigt. Stichwort Youtube, Netflix und Cloud-Dienste.

Wie sahen die Drosselungspläne der Telekom ursprünglich aus?

Je nach Breitbandtechnik, sollte es auch andere Drosselungsgrenzen bzw. Inklusivvolumen geben. Pauschal galt - je schneller die Technik, desto höher wäre diese angesiedelt. Dabei ließ sich gut eine Tendenz dahingehend erkennen, dass VDSL- und Glasfasernutzer (FTTH/B) eigentlich recht gut „aus dem Schneider“ waren. Denn in beiden Fällen lagen die Volumenkontingente derart hoch, dass sie selbst ambitionierte Nutzer kaum oder nur sehr selten treffen sollten. Eher kritisch sahen wir allerdings das geplante Reglement für DSL-Kunden - hier wollte die Telekom bereits ab 75 GB / Monat den Rotstift ansetzen und dann auf läppische 2 MBit drosseln. VDSL-Nutzer wären also deutlich bevorteilt worden, da deren Volumen mit 200 GB fast dreimal so hoch lag. Bei Glasfaserkunden waren es sogar 300 (100 MBit-Paket) oder 400 GB (200 MBit-Tarif). Die folgende Grafik verdeutlicht noch einmal die ursprünglichen Pläne der Telekom hinsichtlich der basierter Breitbandtechnik. Zum Vergleich haben wir die Datenmenge von 30 randvoll gefüllten DVDs mit einbezogen (rot).

ehemalige Drosselgrenzen je Tarif bei der Telekom

Testen Sie es aus - so fühlt sich die Drossel an ...

Mit einem kleinen, kostenlosen Tool kann sich jeder selbst ein Bild von den drohenden Konsequenzen einer Datenraten-Drosselung machen. Geht Youtube dann wenigstens noch halbwegs? Wie lange dauert dann ein normaler Download? Testen Sie es aus - im Ratgebervideo zeigen wir wie es geht.


200 GB Volumen bei den VDSL-Tarifen - viel Lärm um nichts?

Wie wir mit einigen kurzen Rechenbeispielen zeigen wollen, war diese Marke tatsächlich recht weit oben angesiedelt. Zumindest für VDSL- oder Glasfaserkunden. Der Durchschnittsnutzer wäre in Verbindung mit den VDSL-Tarifen der Telekom wahrscheinlich nie in Berührung kommen. Lediglich in Großfamilien, WGs, Streamingfans und bei „ambitionierten Surfern“ könnte es mit einer solchen Begrenzung etwas eng werden. 200 GB sind viel „digitales Holz“. Damit kann man zum Beispiel:


1) jedem Monat 2 Mio. Webpages aufrufen (100 KB/Webseite angenommen) oder

2) jeden Tag den Dateninhalt von 1.5 DVDs downloaden oder

3) 40.000 MP3- oder Bilddateien (á 5 MB) senden bzw. empfangen oder

4) jeden Tag über 3 Stunden Filme aus Onlinevideotheken in höchster DVD-Qualität sehen.

5) 100 Stunden Netflix in HD sehen


Und IPTV á la Entertain? Das Internetfernsehen der Telekom verbraucht schließlich, gerade in (U)HD, Massen an Daten! Oder? Das ist richtig, allerdings hatte das Unternehmen von Anfang an verbindlich klargestellt, dass Telekom-IPTV NICHT mitgezählt wird. Eine Entscheidung, die zunächst Nutzer freuen sollte, allerdings auch für einigen Wirbel sorgte, wie wir folgend noch sehen werden …


Wäre ich „betroffen“ - wie viel verbrauche ich eigentlich im Monat?

Diese Frage können sicher die wenigsten ad hoc beantworten. Selbst den Stromverbrauch und die monatliche Handyrechnung hat nicht jeder im Kopf - wie dann einen Aspekt, über den man sich vorher (zum Glück) noch nie Gedanken machen musste. Es gibt jedoch recht einfache Möglichkeiten, den eigenen Bedarf mal für 1-2 Monate genau unter die Lupe zu nehmen. Wie, zeigen wir hier.

Ausweichmöglichkeiten - jetzt wechseln?

Auch die Pläne der Telekom erstmal auf Eis liegen – es wird sich in Zukunft einiges tun, und wahrscheinlich nicht unbedingt zum Besten für die Verbraucher. Am 05.12.2013 stich die Telekom die Drosselungs-Passagen aus den AGBs. Und als Alternative? Solange nicht alle Internetprovider dem Beispiel folgen, bleibt dem mündigen Verbraucher weiterhin das Instrument des Anbieterwechsels. Welche dafür in Frage kommen - Details samt Übersicht haben wir auf dieser Seite für Sie zusammengestellt: » VDSL-Anbieter ohne Drossel





Drosselung bei anderen Anbietern

Nachdem, wenn man so will, die Telekom die Büchse der Pandora öffnete, war die Sorge groß, dass andere dem Beispiel folgen werden. Einige dementierten, andere äußerten es gäbe keine Pläne. Spätestens aber seit O2 im Oktober 2013 ebenfalls eine Art Drossel „Fair Flatrate“ einführte ist klar, es werden auch noch andere Provider folgen...


Hintergründe: Warum die Telekom die Flatrates eigentlich beschneiden will ...

In einer offiziellen Pressemitteilung vom 22.04.2013 verteidigte die Telekom die Pläne mit mehreren Argumenten. Zum einen wolle man „ … auch in Zukunft das beste Netz bieten“ - dafür seien jährlich Milliarden Euro an Investitionen nötig und vorgesehen. Geld, welches wieder verdient werden muss. Wer mehr verbrauchen will als vorgesehen, muss eben mehr bezahlen. Ermöglichen soll dies ein Prinzip, welches bei LTE-Kunden bereits „erprobt“ wird. Rutscht man in die Drosselung, kann diese gegen eine Entgeltzahlung wieder zurückgesetzt werden, eine Art Freikauf-Modell also. Ebenso geplant waren "reguläre Flatrate-Tarife", die aber 10-20 Euro mehr kosten sollten.

Das nächste Argument zielt auf die explosionsartige Zunahme des Datenverkehrs und zwar sowohl bei Mobilfunk, als auch innerhalb der Festnetzstrukturen.


Kritik am Modell

Hier gibt es gleich drei Punkte die wir aus unserer Sicht bemängeln, bevor wir zu den Reaktionen in der Netzgemeinde kommen. Zum einen führt die Telekom als „tröstendes Argument“ an, dass die Drosselung ohnehin nur „drei Prozent unserer Kunden“ betreffe. Nun, erst einmal wäre interessant zu wissen, von welcher Basis die 3 Prozent stammen? Zudem stellt sich direkt die Frage, warum dann überhaupt eine Drosselung notwendig ist, wenn ohnehin nur ein Bruchteil überhaupt überproportional viel Datenaufkommen verursacht. Das wiederspricht sich logisch in sich selbst!

Der nächste von Kritikern ins Feld geführte Punkt, war und ist bis heute die der Netzneutralität. Jene bedingt, dass alle Datendienst den „gleichen Rang“ haben und nicht etwa Dienst X von Anbieter Y bevorzugt werden darf/sollte. Die Pläne der Telekom haben nun aber mehrere „Geschmäckle“. Vorrangig, weil der Konzern das Datenaufkommen durch das Internetfernsehen Entertain (IPTV) bei seinen Kunden nicht mitzählen will. Ein Pluspunkt für die Kunden, allerdings diskriminiert der führende Breitbandanbieter damit Drittanbieter von ähnlichen Diensten, wie etwa die Onlinevideothek Maxdome oder Platzhirsch Netflix. Kunden könnten ja nun angehalten sein, lieber direkt bei der Telekom Filme abzurufen, um das Volumen zu schonen. Beispiele derart lassen sich noch beliebig viele andere finden.

Kritikpunkt 3 zielt auf das Argument, dass die „Datennetze an ihre Grenzen kommen“ und daher die Drosselung ein notwendiges Instrument sei. Offizielle Zahlen zeigen aber das Gegenteil. Wie hier in diesem Beitrag von netzpolitik.org aufgeführt, sind relevante Internetknoten (etwa der DE-CIX), nicht mal zu 10% ausgelastet. Auch der Routerhersteller „Viprinet“ sieht das Argument einer übermäßigen Backbone-Belastung als „hanebüchen“ an - es gebe hierzulande gegenteilig sogar Backbone-Überkapazitäten.


Protest: Wie das Netz Sturm gegen die Pläne lief

Wie man sich denken kann, gab es im April und Mai 2013 kaum ein Blog oder ein Onlinemagazin, welches nicht über die Drosselungspläne berichtet hätte. Entsprechend heftig wurde auch in den sozialen Netzwerken und Foren diskutiert. An dieser Stelle ließen sich also nahezu unendlich viele Wortmeldungen und Meinungen zitieren, was den Beitrag im Umfang aber bei weitem sprengen täte. Stattdessen haben wir hier eine Art „Chronologie der Ereignisse hinsichtlich der Telekom-Drosselungspläne“ erstellt, welche wir in Zukunft weiter pflegen werden. So kann man den Zeitverlauf aller Entwicklungen in den kommenden Jahren verfolgen.

Zusammenfassend gibt es erwartungsgemäß kaum Verständnis für das, was der Konzern im Schilde führte. Ein Teil fürchtet den Anfang vom Ende der Netzneutralität. Andere sahen das Sterben der Flatrates auf breiter Front kommen. Denn andere Anbieter könnten, so die Befürchtung, über kurz oder lang dem Beispiel folgen. Die Theorie, dass die Maßnahme lediglich der Gewinnmaximierung dient, ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten.

Kurzum: Der Konzern hatte in ein Wespennest gestochen. Wir gingen sogar so weit zu fragen, ob sich das Unternehmen nicht selbst ins sprichwörtliche Knie geschossen hat. Denn sollten andere Provider nicht mitziehen (was bis auf 1-2 Ausnahmen der Fall war) wäre wohl ein Großteil der Kunden abwandert. Wie auch immer: In der Netzgemeinde hatte die Telekom zwischenzeitlich einen neuen Spitznahmen. Waren es früher „Teledoof (Anspielung auf ahnungslose Supportmitarbeiter) & Co., stand nun „Drosselkom“ auf der Agenda :-)


Verteidigung ist die beste Strategie

Welche Tragweite die Geschichte hatte, zeigten gleich mehrere Beispiele, in der die Telekom sich vor oberster Stelle rechtfertigte. Im Mai erreichte ein offener Brief von René Obermann den damaligen Wirtschaftsminister Rösler, in dem er die Pläne abermals verteidigte. Am 08. Mai 2013 platzierte die Telekom sogar auf der Startseite, unter telekom.de, einen großen Teaser mit dem Titel „Ein leistungsstarkes Netz für alle“. Siehe folgender Screenshot.

Telekom kommuniziert Pläne auf Startseite und wirbt für Verständnis

Screenshot: Auszug Telekom Startseite vom 08.05.2013


In dem Statement war sogar etwas zur künftigen Preispolitik zu lesen. „Daher passen wir unser Tarifsystem bedarfsgerecht an: Wer mehr Leistung oder extrem große Datenmengen beansprucht, wird dafür ab 2016 auch etwas mehr bezahlen als der Durchschnittsnutzer.“ Will heißen - wer mehr verbraucht sollte den alten Plänen nach auch mehr Geld ausgeben. Bekanntlich blieb das Schreckensszenario aber bislang aus...


Eine Zukunftsprognose: Steht das Ende der Flatrate bevor?

Das kommt nach wie vor ganz auf die Reaktion der Mit- bzw. Wettbewerber an. Zieht bei einem erneuten Vorstoß zur Drossel keiner mit, stünde die Telekom (oder wer auch immer) auf relativ verlorenem Posten. Ob ein Alleingang langfristig möglich wäre, wagen wir also zu bezweifeln. Andererseits winken Mehreinnahmen, wenn alle dem Beispiel folgen. Ohne illegale Preisabsprachen wäre so ein Vorhaben jedoch kaum umzusetzen. Die Bundesnetzagentur hatte beispielsweise schon wenige Tage nach dem Lautwerden der Pläne Bedenken angemeldet und forderte mehr Transparenz.


Zum Schluss noch ein kleines Video zum Schmunzeln, für alle, die es mit Humor nehmen wollten...





Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Recherchen erstellt, verstehen sich aber ohne Gewähr auf Richtigkeit!
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