VDSL - Krieg der Giganten Teil 2

VDSL - Krieg der Giganten


Nachdem es 2009 endlich gelangt, den Markt für VDSL auch Mittbewerbern der Telekom zu öffnen, hält die Freude über den lang errungenen Sieg nicht lange an. Nach wie vor gibt es Vorwürfe der Wettbewerbsverschleppung und Unklarheiten über die Preise, welche die Telekom von Mitbewerbern für die Nutzung der Leitungen verlangen kann. 2011 kündigt der Konzern an, das VDSL- und Glasfasernetz weiter ausbauen zu wollen, allen Widrigkeiten zum Trotz. 2011 präsentiert zudem Alcatel Lucent erstmals das Vectoring-Verfahren, welches seit 2013 eine zentrale Rolle im VDSL-Ausbau Deutschlands spielt.


Chronik 2010 - 2011


Januar / Februar 2010

Im VDSL-Streit kann die Telekom einen kleinen Teilerfolg vermelden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig urteilte, dass die Telekom ihren Wettbewerbern vorerst keinen Zugriff auf neue eigene Glasfaserkabel geben muss. Die Kabelkanäle der Telekom darf die Konkurrenz aber für eigene Kabel nutzen.

Begründet wurde das Urteil dadurch, dass die Eigentumsrechte der Telekom beim Zugriff auf neu gelegte Glasfaserkabel missachtet werden. Dagegen fallen die Eigentumsrechte bei den älteren Kabelkanälen nur gering ins Gewicht, da diese unter Monopolbedingungen aufgebaut wurden. Eine Begründung warum die Bundesnetzagentur den Zugriff auf die neu gelegten Glasfaserkabel erlaubt hatte, war nicht ausreichend.


Könnte der Streit bald Geschichte sein? Die Deutsche Telekom schlägt ein neues Preismodell vor, welches die Entgelte für die Nutzung der Glasfaserleitungen und den Zugang zu den Rohren regeln soll. Monatlich 173 Euro soll der Zugang zu einem VDSL-Schaltkasten kosten. Die Gebühr würde sich nach Vorstellung der Telekom dann durch die Nutzer (maximal vier inkl. Telekom) teilen. Für ungenutzte Glasfaserleitungen möchten die Bonner für den Abschnitt ab dem Hauptverteiler gerne 354 Euro monatlich berechnen. Die Nutzung der unterirdischen Rohre soll pro Meter und Monat 43 Cent kosten. Niek Jan van Damme, Telekom-Deutschland-Chef fordert von der Bundesnetzagentur eine Preisgestaltung, die auch andere Wettbewerber dazu anregt, weiter in Infrastruktur zu investieren. "Kein Unternehmen wird in zusätzliche Infrastruktur investieren, wenn die Nutzung unserer Netze zu billig ist."

Mai 2010

Die Fronten verhärten sich erneut. Von Seiten des Branchenverbands VATM kommen harte Töne. Dieser bezieht seine Kritik an Telekom und Bundesnetzagentur auf Aussagen der Europäischen Kommission, welche den langwierigen Prozess der Regulierung des VDSL-Marktes und die Zurückhaltung der Bundesnetzagentur in dieser Frage moniert. Der VATM spricht von einer „Verschleppung des Wettbewerbs“ und „Vorteilen für die Deutsche Telekom AG“.

Der Verband fordert dabei die Netzagentur auf, schnell eine Besserung herbeizuführen. Die Telekom müsse gezwungen werden, die Qualität der Vorleistungsprodukte deutlich zu verbessern. Die Verpflichtung der Telekom, Zugang zu Leerrohren und Multifunktionsgehäusen zu gewähren, habe viel zu lange gedauert. Verzögerungen die die Telekom gezielt nütze, um ihre Marktposition zu stärken, unterstellt der Verband.

Juni 2010

„Seit der CeBIT im März ist nichts mehr passiert", so die resignierte Aussage von Jürgen Grützner, Chef des Branchenverbands VATM in Bezug auf die laufenden Gespräche über die Öffnung des Telekom-VDSL-Netzes. VATM vereint das Gros der Telekom-Konkurrenten. Ein Vodafone-Sprecher bestätigt hingegen laufende Gespräche. Die Telekom ist ähnlicher Meinung: "Die Gespräche verlaufen konstruktiv." Wie konstruktiv oder nicht diese wirklich verlaufen, ist unklar.

September 2010

Hansenet bietet unter seiner Marke Alice seit 2. September wieder VDSL. Bereits Ende 2009 war das Angebot „Alice Speed“ zu haben, wurde aber aufgrund technischer Probleme schnell eingestellt. Die Anschlüsse basieren heute auf dem Netz des Mutterkonzerns Telefónica O2. Damals wurden Resale-VDSL-Anschlüsse der Telekom verwendet. Im Rahmen der digitalen Agenda beschließt die Europäische Kommission, die nationalen Telekommunikations-Regulierungsorgane, so beispielsweise die Bundesnetzagentur, zu verpflichten, für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Förderungen und Wettbewerbssicherung zu sorgen. Im Hochgeschwindigkeitssektor werden regulierte Zugänge empfohlen. Entschlossenheit sieht anders aus.

Oktober 2010

Die noch immer unsicheren Rahmenbedingungen bezüglich der Regulierung des VDSL-Netzes lassen einen lange geplanten Deal platzen. 2009 hatten der norddeutsche Netzbetreiber EWE Tel und die Telekom beschlossen den gemeinsamen Ausbau des VDSL-Netzes in norddeutschen Städten gemeinsam zu schultern. Dazu wird es nun doch nicht kommen, wie beide Unternehmen mitteilen (wir berichteten). Gründe sollen die bereits angesprochenen Unsicherheiten und de erhöhte Abstimmungsbedarf sein. Man will aber weiterhin andere Arten der Zusammenarbeit erwägen. Wie diese aussehen sollen, ist unklar.


Februar 2011

Die Deutsche Telekom kündigt an, 2011 den VDSL-Ausbau fortzusetzen. In den „Neubauregionen“ für VDSL soll sogar favorisiert FTTH zum Einsatz kommen. Welche Städte im Fokus stehen sowie weitere Informationen dazu, finden Sie hier.


Mai 2011

Die EU-Kommission lässt das Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesregierung fallen. Diese plante das VDSL-Netz der Deutschen Telekom vorerst nicht durch die Bundesnetzagentur regulieren zu lassen – wettbewerbswidrig, wie die EU-Kommission befindet. Auf deren Druck wird der entsprechende Gesetzestext aus dem Telekommunikationsgesetz gestrichen, und darauf das Verfahren eingestellt.

August 2011

Der von der Bundesregierung vorangetriebene Breitbandausbau hat seinen Preis. Die Kosten für die Erfüllung der Breitbandstrategie werden auf 30 bis 50 Milliarden Euro geschätzt. Die Telekom sucht nach Wegen das Gewicht der enormen Investitionen umzuverteilen. Ein Weg ist der Dialog mit den Mitbewerbern, beispielsweise Vodafone und o2. Weit weniger erfreulich ist das Gedankenspiel, Hausbesitzer, wie bei Gas und Wasser, für den schnellen Breitbandzugang zusätzlich in die Pflicht zu nehmen. Im gleichen Monat gründet die Telekom eine eigene Gesellschaft (FTTH) für den Ausbau und Vertrieb von Glasfaser-Internet. Bei Fiber-To-The-Home (FTTH) wird die Glasfaser bis in Haus verlegt. Anders als bei Hybrid-Lösungen, die Teilstrecken aus Kupfer beinhalten, sind hier extreme Geschwindigkeiten möglich. Nachteil ist hingegen der hohe Preis.

September 2011

Der Branchenverband BREKO spricht sich gegen die Erschaffung eines Universaldienstes aus. Dieser wurde auf politischer Ebene ins Gespräch gebracht, um die noch zahlreichen unterversorgten Konsumenten mit Breitbandzugängen auszustatten. Es wird eine Ausschaltung des Wettbewerbs befürchtet, die Kostenexplosionen und an der Nachfrage vorbei entwickelte Angebote befürchten lässt.

Mit dem vom Netzwerkspezialisten Alcatel Lucent entwickelten Vectoring lässt eine spannende Innovation aufhorchen. Als Brückenlösung bis zur flächigen Verbreitung von Glasfaser, soll etwa durch die Bündelung von bestehenden Kupferkabeln eine Downloadgeschwindigkeit bis 100 MBit/s erreicht werden. Allerdings bietet die Technologie enorme Ansatzflächen für "Spannungen" im Wettbewerb.

Oktober 2011

Der Breitbandausbau ist für die EU-Kommission ein Dauerthema. Aus einem Topf mit Fördermitteln in Höhe von neun Milliarden Euro sollen in der gesamten EU Gelder an Telekommunikationsunternehmen fließen. Doch alleine für Deutschland wird fast mit dem zehnfachen finanziellen Aufwand gerechnet, um in der Fläche schnelle Internetzugänge zu etablieren. Derweil erringt der Bundesverband der Verbraucherzentralen einen juristischen Sieg gegen die Telekom. Das Unternehmen hatte bei VDSL-Zugängen mit einem Verzicht auf Zeit- und Volumenbegrenzung geworben. Im Kleingedruckten wurde sich jedoch eine Geschwindigkeitsdrosselung nach dem Erreichen einer Volumengrenze vorbehalten. Wie sich noch zeigen soll, wird dieses Thema 2013 erneut zu heftigen Kontroversen führen...

Dezember 2011

In einem Ausblick auf die vergangenen und kommenden Breitbandlösungen der Telekom, zieht Niek Jan van Damme, Sprecher der Geschäftsführung, Bilanz. Zweigleisig werde auf den Funkstandard LTE und die Verbreitung von Glasfaser gesetzt. Letzteres allerdings nur, wenn zuvor ein klarer Bedarf, beispielsweise über Vorbestellungen, ermittelt wurde. Mehr Planungssicherheit gibt auch die Kooperation mit Konkurrenten und Kommunen. Konkret werden das Bereitstellen von Leerrohr-Kapazitäten, die Durchführung von Erdarbeiten und finanzielle Investitionen benannt.

» die Entwicklungen bis 2015
» wie es zwischen 2012 und 2013 weiter ging
» was zwischen 2010 und 2011 passierte
» was zuvor bis Ende 2009 geschah



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